Hortus conclusus

Ein privater, gestalteter und umschlossener Garten soll damit gemeint sein. Der Hortus Conclusus ist ein Ort, der im Vergleich zu seiner Umwelt in erster Linie dadurch gekennzeichnet ist, dass in ihm für Fauna und Flora wie für seine menschlichen Benutzer andere soziale Bedingungen herrschen, Bedingungen, die von seiner Gärtnerin mehr oder weniger kontrolliert werden können.

Im Sinn hatte ich dabei, mit dem umschlossenen Garten einen Bereich zu schaffen, mit dem die Erfahrungswelt in ein Außen und ein Innen aufteilt werden kann. Nicht ein immanentes Bildmotiv der Bildenden Kunst und keine Mariensymbolik, die abgeleitet ist aus dem Hohelied des Alten Testaments, sondern ein Bereich, der etwas einschließt und ausgrenzen kann, der schützt und verbirgt, dass in ihm andere Regeln als jenseits seiner Umschließung gelten können. Als gefasster, abgeschlossener Raum unterscheidet sich der umschlossene Garten von einem Haus vor allem dadurch, dass in ihm, unbeschadet seiner Abgeschlossenheit von der Welt, die gleichen natürlichen Bedingungen wie jenseits seiner Umschließung herrschen: in ihm arbeitet die Natur, wächst es, kreucht und fleucht es wie sonst wo, ist, das ist der Unterschied zum allseits geschlossenen Raum, das Innen nicht angewiesen auf das Außen, kann also das, was umschlossen ist, im Prinzip ohne Zufuhr aus seiner Umwelt bestehen. Vor allem durch diese anderen sozialen Bedingungen ist der Hortus Conclusus von der ihn umgebenden Welt unterschieden; im Verhältnis zu ihr können sie nicht grundsätzlich ganz andere sein und doch verschieden: romantischer, farbiger, wilder, langsamer und kontinuierlicher als Gegenpol zu der dynamischen und manchmal auch beängstigend schnell sich verändernder Außenwelt. Der Hortus conclusus kann auch stehen als Schutzraum und besonderer Erfahrungsraum für Aufwachsende.

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